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22.11.2019 : 3:57 : +0100

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Supervision in der Altenarbeit: Zwischen Arbeit und Reflexion

5. Jahrgang 2008, Heft 3, Praxis der Supervision

Rolf D. Hirsch:

Supervision in der Altenarbeit: Zwischen Arbeit und Reflexion (Abstract)

»Man sagt, die Weisheit eines alten Menschen bestehe im resignierten Akzeptieren der eigenen Grenzen. Doch um sie akzeptieren zu können, muss man sie erkennen, muss man versuchen, ihnen einen Sinn zu verleihen. Ich bin nicht weise geworden. Die Grenzen kenne ich wohl, aber ich akzeptiere sie nicht. Ich gestehe meine Grenzen ein, aber nur, weil ich nicht anders kann.« (Bobbio 1997)


Pflegekräfte in der Altenarbeit sind einer Vielzahl von körperlichen, psychischen und sozialen Beanspruchungen ausgesetzt. Personalmangel, Zeitdruck, schlechte Arbeitsbedingungen und Bezahlung fördern ein belastendes Arbeitsklima. Werden auch psychophysische Schutzmaßnahmen immer wieder gefordert, so gibt es kaum Supervision in Altenpflegeeinrichtungen. Supervision, ein Oberbegriff für unterschiedliche Vorgehensweisen, soll den Supervisanden die Arbeit erleichtern, Beziehungskonflikte verringern und zur Verbesserung der Lebensqualität der Pflegebedürftigen beitragen. Supervision steht im Spannungsfeld zwischen den unterschiedlichen Interessen der Supervisanden, der Träger der Einrichtungen und der Pflegebedürftigen. Eine Sonderrolle nehmen die Balintgruppen ein, die tiefenpsychologisch fundiert sind. Diese lernbare Beziehungsdiagnostik führt zu einem erweiterten Verständnis der Pflegebedürftigen und eröffnet neue und kreative Wege in der Beziehung zu ihnen.
   Ist es auch unstrittig, dass psychohygienische Maßnahmen für Pflegekräfte für ihre Arbeit notwendig sind, so gibt es derzeit noch wenig Untersuchungen. Mitentscheidend für eine qualifizierte Supervision ist die Kompetenz des Supervisors. Allerdings reicht für eine wirkliche Verbesserung der Situation in Pflegeheimen die Supervision allein sicherlich nicht aus. Keinerlei arbeitshygienische Maßnahmen aber durchzuführen, wie dies derzeit geschieht, kann nicht weiter toleriert werden.