Anwendungsbezogene empirisch Arbeit zum Themenheft “Demenzen”
Anne Katrin Risch, Theresa Hilbert, Ronja Buschek & Gabriele Wilz (Jena)
Verhaltenstherapeutische Gruppentherapie bei beginnender Demenz
Eine Pilotstudie (Abstract) (PDF)
Ziel der vorliegenden Pilotstudie war es, die Durchführbarkeit und Wirksamkeit einer kognitiv-verhaltenstherapeutischen Gruppentherapie für Menschen mit beginnender Demenz (MmbD) bezüglich der Depressivität, Lebensqualität und Selbstwirksamkeitserwartung der Gruppenteilnehmer zu untersuchen. Die Pilotstudie hatte ein unkontrolliertes, nicht randomisiertes Prä-Post-Design, N = 9 MmbD nahmen teil. Die Teilnehmer zeigten hohe Zufriedenheitswerte und empfanden die Gruppe subjektiv als hilfreich. Die Treatmentcompliance war hoch, alle Teilnehmenden beendeten die Gruppe wie vorgesehen. In den Prä-Post-Effektstärken zeigte sich eine leichte Verbesserung in der fremdeingeschätzten Depressivität (Φ = 0.19) und Lebensqualität (Φ = 0.26) sowie eine moderate Verschlechterung der selbsteingeschätzten Depressivität (Φ = 0.48), die Veränderungen wurden jedoch nicht signifikant. Diskutiert werden die Auswahl der Zielgrößen, angesichts des progredienten Verlaufs der Demenz und eine Erweiterung der Ergebnismaße um individualisierte Messinstrumente.
Behavioral group therapy for early-stage dementia
A pilot study (English Abstract)
The aim of this pilot study was to investigate the feasibility and effectiveness of cognitive behavioral group therapy for people with early-stage dementia (MmbD) in terms of the group participants’ depression, quality of life, and self-efficacy expectations. The pilot study had an uncontrolled, non-randomized pre-post design, with N = 9 MmbD participants. The participants showed high satisfaction scores and subjectively found the group helpful. Treatment compliance was high, with all participants completing the group as planned. The pre-post-effect sizes showed a slight improvement in externally assessed depression (Φ = 0.19) and quality of life (Φ = 0.26), as well as a moderate deterioration in self-assessed depression (Φ = 0.48), but the changes were not significant. The selection of target variables is discussed in view of the progressive course of dementia, as is an expansion of the outcome measures to include individualized measurement instruments.
Lena Königer, Anna-Jasmin Wetzel & Alexandra Wuttke (Konstanz)
Antizipatorische Trauer und Besuchsverhalten von Angehörigen von Menschen mit Demenz im Pflegeheim
Eine explorative ambulante Assessment-Studie (Abstract) (PDF)
Ziel dieser Pilotstudie war es, den Zusammenhang zwischen antizipatorischer Trauer und der Häufigkeit sowie Dauer von Besuchen im Alltag pflegender Angehöriger von Menschen mit Demenz im Pflegeheim zu untersuchen und die vermittelnde Rolle der wahrgenommenen Beziehungsqualität zu prüfen. Dazu beantworteten 14 Angehörige je zwei Wochen täglich Fragen zu antizipatorischer Trauer, dem Besuchsverhalten (ja/nein, Dauer) und dem Besuchserleben über ein Studienhandy; zu Beginn und Ende der Erhebung wurden standardisierte Fragebögen zu Angehörigencharakteristika erhoben. Es zeigte sich kein Zusammenhang zwischen antizipatorischer Trauer und der Anzahl der Besuche oder der Beziehungsqualität, jedoch ein Hinweis darauf, dass antizipatorische Trauer mit einer längeren Besuchsdauer einherging. Zeitversetzte Effekte der antizipatorischen Trauer auf den Folgetag zeigten sich nicht. Die Befunde sind vor dem Hintergrund der kleinen Stichprobe vorsichtig zu bewerten und können nur als Ausgangspunkt dazu dienen, in nachfolgenden Studien die Dynamiken von antizipatorischer Trauer weiter zu untersuchen.
Anticipatory grief and visiting behavior among former caregivers of people living with dementia in nursing homes
An exploratory ambulatory assessment study (English Abstract)
The aim of this pilot study was to examine the association between anticipatory grief and the frequency and duration of everyday visits by family caregivers of people with dementia living in nursing homes, as well as to assess the mediating role of perceived relationship quality. Fourteen family caregivers completed daily assessments for 14 consecutive days via a study smartphone, reporting anticipatory grief, visitation behavior (yes/no, duration), and their visit-related experiences; standardized questionnaires on caregiver characteristics were administered at the beginning and end of the study period. No association emerged between anticipatory grief and the number of visits or relationship quality; however, there was an indication that higher anticipatory grief was linked to longer visit duration. No lagged effects of anticipatory grief on next-day outcomes were observed. Given the small sample size, the findings should be interpreted with caution and considered as preliminary insights to guide future research on the dynamics of anticipatory grief.
